Passives Einkommen als VA: Was realistisch ist und was nicht
Ich habe irgendwann angefangen, mich mit dem Thema „passives Einkommen“ zu beschäftigen. Die Idee war verlockend: Einmal etwas aufbauen, dann läuft es von alleine. Nach einigen Versuchen und noch mehr Recherche ist mein Fazit: Es ist komplizierter, als die meisten Posts auf Instagram vermuten lassen.
Der Begriff „passives Einkommen“ ist eigentlich irreführend. Fast nichts ist wirklich passiv. Was gemeint ist: Einnahmen, die nicht direkt an deine Arbeitszeit gekoppelt sind. Du investierst einmal Zeit und Energie, und dann verdienst du damit über einen längeren Zeitraum, ohne jedes Mal neu zu arbeiten.
Klingt gut. Aber es gibt ein paar Dinge, die du wissen solltest, bevor du loslegst.
Warum das Thema überhaupt relevant ist
Als VA verkaufst du im Kern deine Zeit gegen Geld. Das ist völlig okay, aber es hat eine natürliche Grenze: Deine Zeit ist begrenzt. Irgendwann kannst du nicht mehr Stunden arbeiten, und dein Einkommen stagniert.
Zusätzliche Einkommensquellen können helfen, diese Grenze zu verschieben. Sie können auch Sicherheit geben: Wenn ein Kunde wegfällt, bricht nicht alles zusammen.
Aber: Das ist kein Thema für den Start. Wenn du noch keine stabilen Kundenbeziehungen hast, ist deine Energie besser in Akquise und gute Arbeit investiert als in ein E-Book, das vielleicht niemand kauft.
Was „passiv“ wirklich bedeutet
Lass uns ehrlich sein: Fast alle sogenannten passiven Einkommensquellen erfordern erheblichen Aufwand am Anfang. Und oft auch laufende Pflege.
Ein Online-Kurs erstellt sich nicht von alleine. Ein E-Book muss geschrieben, lektoriert, gestaltet und vermarktet werden. Templates brauchen Entwicklung und Support. Affiliate-Marketing funktioniert nur, wenn du Reichweite hast.
Die Vorstellung, einmal etwas zu bauen und dann für immer Geld zu verdienen, ist in den meisten Fällen unrealistisch. Realistischer ist: Du investierst viel Zeit am Anfang und verdienst dann über einen gewissen Zeitraum damit, mit gelegentlichem Pflegeaufwand.
Was funktionieren kann
Hier sind einige Optionen, die für VAs grundsätzlich in Frage kommen. Aber bei jeder gilt: Sie erfordern Vorarbeit, oft Expertise und fast immer Reichweite oder eine bestehende Zielgruppe.
Templates und Vorlagen: Wenn du in einem Bereich richtig gut bist, kannst du Vorlagen erstellen und verkaufen. Notion-Templates, Canva-Vorlagen, Excel-Sheets. Plattformen wie Etsy oder Creative Market machen den Verkauf technisch einfach. Aber: Der Markt ist voll. Du brauchst entweder eine Nische oder richtig gute Qualität, um herauszustechen.
Digitale Produkte und Mini-Kurse: Wenn du Wissen hast, das andere brauchen, kannst du es aufbereiten. Ein kurzer Kurs, ein Workbook, ein Leitfaden. Deutsche Plattformen wie ablefy oder Digistore24 helfen bei Hosting und Verkauf, international sind Udemy oder Teachable verbreitet. Aber: Die Erstellung dauert länger als gedacht, und ohne Marketing verkauft sich nichts von alleine.
Affiliate-Marketing: Du empfiehlst Tools, die du selbst nutzt, und bekommst eine Provision. Das funktioniert, wenn du Reichweite hast, zum Beispiel über einen Blog, Newsletter oder Social Media. Viele Software-Anbieter bieten Partnerprogramme an. Aber: Ohne Reichweite verdienst du damit kaum etwas. Und: Programme ändern sich oder werden eingestellt. Verlasse dich nicht darauf als Haupteinnahmequelle.
Print-on-Demand und Low-Content-Books: Planer, Notizbücher, Journals. Du gestaltest einmal, lädst hoch bei Amazon KDP oder Etsy, und bei jedem Verkauf wird gedruckt und verschickt. Klingt einfach, ist es auch, aber genau deshalb ist die Konkurrenz riesig. Ohne gutes Design und cleveres Marketing gehst du unter.
Was du bedenken solltest
Timing: Zusätzliche Einkommensquellen machen Sinn, wenn dein Kerngeschäft stabil läuft. Wenn du noch um jeden Kunden kämpfst, ist ein Nebenprojekt wahrscheinlich Ablenkung, keine Lösung.
Erwartungen: Die meisten passiven Einkommensquellen bringen am Anfang wenig. Sehr wenig. Manchmal jahrelang. Wenn du damit rechnest, schnell signifikante Einnahmen zu erzielen, wirst du enttäuscht.
Aufwand: Die Zeit, die du in ein Nebenprojekt steckst, fehlt woanders. Für Kundenarbeit, für Akquise, für Erholung. Überlege dir gut, ob sich das lohnt.
Expertise: Du kannst nur etwas verkaufen, das andere wirklich brauchen und das du wirklich gut kannst. „Ich mache mal einen Kurs“ funktioniert nicht, wenn du nicht tief im Thema steckst.
Fazit
Passives Einkommen ist kein Mythos, aber es ist auch kein Selbstläufer. Es kann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn du bereits stabil aufgestellt bist, echte Expertise hast und bereit bist, Zeit zu investieren.
Aber es ist kein Ausweg aus einem wackeligen Geschäftsmodell. Und es ist definitiv nichts, womit du als frische VA starten solltest.
Wenn du darüber nachdenkst: Fang klein an. Teste eine Idee, bevor du Monate investierst. Und sei ehrlich zu dir selbst, ob du gerade die Kapazität dafür hast.
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