Virtuelle Assistenz erklärt: Aufgaben, Anforderungen, Alltag
Als ich das erste Mal von virtueller Assistenz gehört habe, konnte ich mir darunter wenig vorstellen. Sekretärin, aber online? Irgendwas mit Social Media? Je mehr ich mich damit beschäftigt habe, desto klarer wurde: Das Berufsbild ist breiter, als ich dachte. Und gleichzeitig weniger mysteriös.
Virtuelle Assistenz klingt nach einem modernen Konzept, aber die Grundidee ist simpel: Du übernimmst Aufgaben für andere Menschen oder Unternehmen, und zwar remote. Kein gemeinsames Büro, keine festen Arbeitszeiten vor Ort, sondern Zusammenarbeit über digitale Tools. Das kann vieles sein, von klassischer Büroarbeit bis zu spezialisierten Dienstleistungen. Lass uns das Berufsbild einmal auseinandernehmen.
Die Kurzversion
Eine virtuelle Assistenz übernimmt Aufgaben, die vom eigentlichen Kerngeschäft des Auftraggebers ablenken. Der Selbstständige, der seine Zeit lieber mit Kundenarbeit verbringt als mit E-Mails und Terminplanung. Das kleine Unternehmen, das keine Vollzeitkraft für administrative Aufgaben einstellen will. Die Agentur, die für ein Projekt kurzfristig Unterstützung braucht. Für all diese Situationen kann eine VA die Lösung sein.
Die Zusammenarbeit läuft fast immer digital. Kommunikation per E-Mail, Slack, Zoom oder Telefon. Aufgaben werden über Projektmanagement-Tools wie Asana, Trello oder Notion organisiert. Dateien liegen in der Cloud. Ob du dabei in derselben Stadt sitzt wie dein Auftraggeber oder am anderen Ende des Landes, spielt technisch keine Rolle.
Welche Aufgaben übernimmt eine VA?
Die Bandbreite ist enorm, und genau das macht das Berufsbild so vielfältig. Grob lassen sich die Tätigkeiten in ein paar Bereiche einteilen, wobei die Grenzen fließend sind und viele VAs in mehreren Bereichen arbeiten.
Klassische Büro- und Assistenzaufgaben sind nach wie vor gefragt: E-Mail-Management, Terminplanung, Reisebuchungen, Recherche, Datenpflege, Korrespondenz, vorbereitende Buchhaltung. Das klingt nicht glamourös, aber es ist solide Arbeit, die vielen Auftraggebern den Alltag erheblich erleichtert. Unterschätze nicht, wie viel Zeit Menschen mit genau diesen Aufgaben verbringen und wie dankbar sie sind, wenn jemand das zuverlässig übernimmt.
Dann gibt es den Bereich Online-Marketing und Content: Social Media Management, Newsletter-Erstellung, Blog-Pflege, Grafiken mit Canva, Podcast-Produktion, YouTube-Betreuung. Hier brauchst du spezifischere Kenntnisse, aber die Nachfrage ist groß, weil viele Selbstständige wissen, dass sie online sichtbar sein sollten, aber weder Zeit noch Lust haben, sich selbst darum zu kümmern.
Technischere Aufgaben wie Website-Pflege, Funnel-Aufbau, Tool-Einrichtung oder Automatisierungen sind ein weiteres Feld. Je spezialisierter du hier bist, desto höhere Stundensätze sind möglich. Und schließlich gibt es Bereiche wie Kundenservice, Community Management, Projektmanagement oder Launch-Unterstützung, die oft eine Mischung aus verschiedenen Fähigkeiten erfordern.
Wie läuft die Zusammenarbeit ab?
Es gibt kein einheitliches Modell, weil jede Zusammenarbeit individuell ist. Aber ein typischer Ablauf sieht ungefähr so aus: Du bekommst eine Aufgabe oder einen Aufgabenbereich übertragen, entweder als einmaliges Projekt oder als laufende Unterstützung. Ihr klärt, was genau gemacht werden soll, bis wann, und wie die Kommunikation läuft. Du erledigst die Arbeit eigenständig und lieferst das Ergebnis. Bei laufenden Aufträgen gibt es oft regelmäßige Abstimmungen, bei einmaligen Projekten eher Meilensteine.
Die Abrechnung variiert ebenfalls. Manche VAs arbeiten mit Stundensätzen, andere mit Pauschalpreisen für definierte Leistungspakete, wieder andere mit monatlichen Retainern für eine bestimmte Stundenanzahl. Was für dich und deine Auftraggeber am besten funktioniert, findest du mit der Zeit heraus.
Was solltest du mitbringen?
Es gibt keine offizielle Ausbildung zur virtuellen Assistenz und kein Zertifikat, das du zwingend brauchst. Das ist Chance und Herausforderung zugleich: Der Einstieg ist formal einfach, aber du musst selbst dafür sorgen, dass du die nötigen Fähigkeiten mitbringst.
Grundvoraussetzungen sind solide Selbstorganisation und Zuverlässigkeit. Du arbeitest remote, niemand schaut dir über die Schulter. Wenn du Deadlines nicht einhältst oder Aufgaben vergisst, fällt das direkt auf dich zurück. Du brauchst außerdem die Fähigkeit, klar zu kommunizieren, Rückfragen zu stellen, wenn etwas unklar ist, und proaktiv zu informieren, wenn es Probleme gibt.
Fachlich hängt es davon ab, was du anbieten willst. Für klassische Assistenzaufgaben reichen oft Erfahrungen aus dem Büroalltag, gepaart mit sicherem Umgang mit gängigen Tools. Für spezialisiertere Bereiche brauchst du entsprechende Kenntnisse, die du dir durch Berufserfahrung, Weiterbildung oder eigenständiges Lernen angeeignet hast.
Was oft unterschätzt wird: Du brauchst auch unternehmerisches Denken. Als selbstständige VA bist du nicht nur Dienstleisterin, sondern führst ein kleines Unternehmen. Akquise, Preisgestaltung, Buchhaltung, Kundenbeziehungen gehören genauso dazu wie die eigentliche Arbeit.
Für wen ist das Modell geeignet?
Virtuelle Assistenz kann ein guter Weg sein, wenn du flexibel und ortsunabhängig arbeiten möchtest, ohne ein eigenes Produkt oder eine eigene Dienstleistung von Grund auf aufzubauen. Du nutzt Fähigkeiten, die du bereits hast, und bietest sie anderen an. Der Einstieg ist vergleichsweise schnell möglich, weil du keine langen Vorlaufzeiten für Produktentwicklung brauchst.
Gleichzeitig ist es kein Selbstläufer. Du brauchst Kunden, und die kommen nicht von alleine. Du trägst das unternehmerische Risiko. Du musst dich selbst motivieren und organisieren. Und du musst bereit sein, kontinuierlich dazuzulernen, weil sich Tools und Anforderungen ständig verändern.
Fazit
Eine virtuelle Assistenz übernimmt remote Aufgaben für Auftraggeber, die diese Arbeit nicht selbst erledigen wollen oder können. Die Bandbreite reicht von klassischer Büroarbeit bis zu spezialisierten Dienstleistungen. Es gibt keine formale Ausbildung, aber du brauchst Selbstorganisation, Zuverlässigkeit und je nach Bereich fachliche Kenntnisse. Ob das Modell zu dir passt, hängt davon ab, ob du mit der Eigenverantwortung und Flexibilität der Selbstständigkeit gut zurechtkommst.
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