Nebenbei selbstständig: Warum klein anfangen klüger ist als alles riskieren
„Ich kann doch nicht einfach kündigen.“
Diesen Satz kennen wir gut. Und er stimmt ja auch. Niemand muss kündigen, um anzufangen. Aber genau das glauben viele und genau dieses Bild im Kopf hält sie davon ab, überhaupt den ersten Schritt zu machen.
Das Bild, das uns aufhält
Wenn wir an Selbstständigkeit denken, haben viele von uns dasselbe Bild im Kopf: die mutige Kündigung, der große Sprung ins Unbekannte, alles auf eine Karte setzen. Entweder ganz oder gar nicht.
Das Problem mit diesem Bild ist nicht nur, dass es unrealistisch ist. Es ist auch unnötig.
Die meisten erfolgreichen Selbstständigen haben nicht mit einem großen Sprung angefangen. Sie haben getestet, ausprobiert, vielleicht ihr Angebot zwischendurch komplett überdacht und dann einen ersten Auftrag gemacht. Und dann noch einen. Und irgendwo in diesem Prozess hat sich ein Geschäftsmodell entwickelt, das wirklich zu ihnen passt.
Was die Zahlen sagen
Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland sind selbstständig. Und über zwölf Prozent davon starten nebenberuflich. Das sind keine Verzweifelten, die den Sprung nicht wagen, das sind Menschen mit einer Strategie.
Der KfW-Gründungsmonitor 2024 macht das noch deutlicher: Gründungen aus einer sicheren Beschäftigung heraus überleben die ersten Jahre nachweislich häufiger als Gründungen aus einer Notlage heraus. Wer neben der Festanstellung startet, fällt weich. Das Gehalt läuft weiter. Die Miete ist gedeckt. Und man hat den Raum, Fehler zu machen und daraus zu lernen, ohne dabei alles zu verlieren.
Nebenbei ist nicht halbherzig
Einer der häufigsten Einwände, den wir kennen: Nebenbei klingt so halbherzig. Als ob man sich nicht wirklich traut.
Aber was steckt wirklich dahinter?
Nebenbei starten bedeutet, dass du deine Idee testest, bevor du alles darauf setzt. Du lernst, was Kunden wirklich brauchen und nicht was du dir vorgestellt hast, was sie brauchen. Du findest heraus, wie du arbeitest, wenn du dein eigener Chef bist. Und du behältst dabei die finanzielle Sicherheit, die dir erlaubt, diesen Lernprozess auch wirklich zu durchlaufen.
Das ist nicht weniger mutig. Das ist klüger.
Was es trotzdem braucht: Zeit, die du dir bewusst freimachst. Fokus, denn nebenbei bedeutet nicht planlos. Und eine klare innere Grenze. Wann ist es nicht mehr nebenbei, und wann ist es Zeit für den nächsten Schritt?
Genau der Unterschied zwischen nebenbei starten als Strategie und nebenbei starten als ewigem Vor-sich-her-schieben liegt genau hier: in der Haltung, mit der du rangehst.
Was konkret möglich ist noch vor der Gewerbeanmeldung
Viele warten auf den richtigen Moment. Auf die perfekte Positionierung. Auf die fertige Website. Aber vieles, was wirklich voranbringt, ist möglich, bevor irgendetwas offiziell ist:
Du kannst dein LinkedIn-Profil auf Vordermann bringen. Das dauert keine 30 Minuten. Du kannst anfangen, in deinem Netzwerk zu erzählen, was du anbietest. Du kannst herausfinden, welche Aufgaben du übernehmen möchtest, und das an realen Menschen testen. Dein erster Kunde könnte dein Nachbar sein. Die Mutter einer Freundin. Ein ehemaliger Arbeitgeber.
Wenn du joggen willst, brauchst du keine neue Ausrüstung, keine Fitnessuhr, kein Brustband. Du brauchst erstmal die Turnschuhe, die du schon hast. Mehr nicht.
Die drei Stolpersteine und wie man trotzdem weiterkommt
„Ich habe keine Zeit“
Das ist der häufigste Satz. Die ehrliche Antwort darauf: Niemand hat einfach Zeit. Man macht sie sich. Oder man plant sie ein, wie einen Friseurtermin, nur eben mit sich selbst.
Fünf Stunden pro Woche sind 260 Stunden im Jahr. Das ist mehr als genug, um anzufangen. Und manchmal bedeutet „ich habe keine Zeit“ in Wirklichkeit: Ich weiß nicht, womit ich anfangen soll. Was eine völlig andere Frage ist und eine, die sich beantworten lässt.
„Ich weiß nicht, was ich anbieten soll“
Das Angebot entwickelt sich in der Praxis, nicht im Businessplan. Viele virtuelle Assistentinnen wissen erst nach dem ihren ersten Kunden, was sie wirklich gut können und was ihnen Freude macht. Vielleicht planst du privat gerne Reisen und merkst nach dem fünften Auftrag, dass es doch nicht das Richtige für dich ist. Das kannst du nur wissen, wenn du es ausprobierst.
Wer nicht mehr 20 ist, kann meist mehr, als sie denkt. Die Frage ist nicht, welchen Abschluss du hast. Die Frage ist: Was sind deine Stärken, und für wen könnten sie nützlich sein?
„Was, wenn es nicht klappt?“
Ein Ja kannst du kriegen, ein Nein hast du immer. Wer nicht fragt, hat schon ein Nein.
Und wenn es nicht klappt? Dann weißt du es. Und du hast noch deinen Job. Das Risiko beim nebenberuflichen Start ist kalkulierbar. Der echte Verlust wäre, nie herauszufinden, ob es hätte klappen können.
OfficeLab: Nicht alleine starten
Genau in dieser Phase – beim Start, beim ersten Kunden, beim Aufbau – begleitet das OfficeLab virtuelle Assistentinnen und die, die es werden wollen. Mit Theorie über Blog und Podcast, und mit konkreter Unterstützung von Menschen, die diesen Weg selbst gegangen sind.
Wer nebenbei startet, muss nicht alleine starten. Schau gerne rein unter officelab.work.
Die vier Startfragen
1. Was könnte ich Stadt heute anbieten?
Mindestens drei Dinge. Keine Ausreden, keine Relativierungen. Auch kleine Aufgaben zählen, denn auch die werden abgegeben.
2. Wer in meinem Netzwerk könnte mein erster Kunde sein, oder kennt jemanden?
Drei Namen. Keine perfekten Namen. Einfach drei. Denk weiter als LinkedIn: Nachbarn, Familienmitglieder, ehemalige Arbeitgeber.
3. Wie viele Stunden pro Woche könnte ich realistisch investieren?
Eine ehrliche Zahl. Auch wenn sie klein ist – zwei Stunden sind zwei Stunden.
4. Was ist der kleinste mögliche erste Schritt, den ich diese Woche noch tun kann?
Nicht nächsten Monat. Diese Woche. Vielleicht eine E-Mail. Ein Gespräch. Ein Profil.
Quellen
→ KfW-Gründungsmonitor 2024 – Überlebensrate von Gründungen:
→ Statistisches Bundesamt – Selbstständige im Inland:




