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Ikigai für Virtuelle Assistentinnen

Ikigai für Virtuelle Assistentinnen

Ikigai in der Selbstständigkeit: Vier Fäden für dein Business

Vor ein paar Wochen ist mir eine Darstellung von Ikigai begegnet, die ich vorher nicht kannte: das gleiche Konzept, aber als verflochtenes Seil. Vier Fäden, die zusammen laufen müssen, damit das Seil überhaupt etwas trägt. Seitdem benutze ich dieses Bild fast wöchentlich, wenn Frauen mit mir über ihren Start oder ihre festgefahrene Selbstständigkeit sprechen. Es bringt schneller auf den Punkt, woran es gerade hängt, als jedes Diagramm es geschafft hätte.

Was Ikigai bedeutet und warum die populäre Version mit Vorsicht zu genießen ist

Ikigai ist ein japanisches Wort und bedeutet ungefähr das, wofür es sich zu leben lohnt. Im Westen kennst du wahrscheinlich die Darstellung als vier sich überlappende Kreise: was du liebst, was du gut kannst, was die Welt braucht und wofür du bezahlt wirst. Wo alle vier sich überlappen, soll dein Lebenssinn liegen.

Was viele nicht wissen: diese Darstellung ist eine westliche Adaption, die mit dem ursprünglichen Konzept nicht viel zu tun hat. Der japanische Neurowissenschaftler Ken Mogi nennt die populäre Diagramm-Version sogar Unsinn. Auch der Pawlik Learning Campus, der die wissenschaftliche Lage zu Ikigai zusammengefasst hat, weist darauf hin, dass der ursprüngliche Begriff eher die kleinen Freuden und Pflichten des Alltags meint, nicht das große Karriereziel.

Trotzdem finde ich das Modell nicht völlig wertlos. Es ist eine grobe Landkarte, mit der du dich in deiner Selbstständigkeit orientieren kannst. Du solltest es nur nicht als Glücksformel missverstehen, sondern als Checkliste für vier Bereiche, in denen du in deinem Business etwas wissen musst.

Warum die Seil-Metapher mehr taugt als das Venn-Diagramm

Vier sich überlappende Kreise klingen nach einem statischen Endpunkt: Du findest die Mitte, und dann passt es. Selbstständigkeit ist aber nicht statisch. Du kommst nicht irgendwann an und hörst auf zu arbeiten, sondern passt täglich an, was du anbietest, an wen, zu welchem Preis. Was vor zwei Jahren gut funktioniert hat, kann heute schon nicht mehr tragen.

Die Seil-Metapher passt deshalb besser. Ein Seil hält nur, wenn alle Fäden tragen. Wenn einer reißt oder zu dünn wird, trägt das ganze Seil weniger. Du kannst die anderen drei so dick und stabil wie möglich machen, das ändert nichts daran, dass der vierte das Gesamtgewicht begrenzt.

Genau das sehe ich in fast jeder Klarheits-Session. Die meisten Frauen, die als Virtuelle Assistentin starten oder feststecken, ziehen an einem oder zwei Fäden sehr fest und vernachlässigen die anderen systematisch. Welcher Faden vernachlässigt wird, ist je nach Person unterschiedlich, das Muster bleibt aber ähnlich.

Was du gut kannst

Dieser Faden klingt offensichtlich, ist es aber selten. Viele Frauen wissen gar nicht so genau, was sie wirklich gut können. Sie unterschätzen ihre eigentlichen Stärken, weil sie sie aus dem Handgelenk machen, und überschätzen Felder, in denen sie nur durchschnittlich sind, weil sie da bewusst dafür gearbeitet haben.

Das hat oft mit dem alten Job zu tun. Wenn du fünf Jahre als Office Managerin gearbeitet hast, hältst du diese Tätigkeit für deine Kernkompetenz. Tatsächlich kannst du wahrscheinlich noch zwei oder drei andere Dinge auf einem Niveau, das du selbst nicht für besonders hältst. Genau diese Dinge sind oft das, was Kundinnen am meisten wertschätzen und wofür sie bereit sind, gute Preise zu zahlen.

Frag dich nicht nur, was auf deinem letzten Arbeitszeugnis hervorgehoben war. Frag dich auch, wofür dir Kolleginnen und Freundinnen schon gedankt haben. Was du freiwillig übernimmst, weil du es schneller erledigst als andere. Welche Aufgabe, die deinen Umkreis stresst, dir entspannt von der Hand geht. Da liegen oft die echten Stärken vergraben.

Was du liebst

An dieser Stelle wird oft zu romantisch gedacht. Was du liebst, muss nicht deine eine große Leidenschaft sein. Es reicht, wenn du nach einem Arbeitstag nicht völlig leer bist und am nächsten Morgen ohne Magengrummeln an den Schreibtisch gehst.

Lieben heißt außerdem nicht ausschließlich. Du musst nicht jede einzelne Tätigkeit lieben, die du anbietest. Du musst nur sicherstellen, dass der Großteil deiner Arbeitszeit aus Dingen besteht, die dir gut tun. Wenn du zwei Stunden täglich mit etwas verbringst, das dich Energie kostet, ist das in einem normalen Arbeitstag verkraftbar. Wenn es sechs Stunden sind, brennst du dich schneller aus, als dir lieb ist.

Die ehrlichere Frage ist deshalb nicht Was ist meine Passion, sondern: Welche Tätigkeiten machen mich nach drei Stunden noch wach. Welche bedrücken mich, sobald ich sie auf der Liste sehe. Welche Aufgabe würde ich auch dann übernehmen, wenn ich dafür nicht bezahlt würde. Daraus baut sich ein realistisches Bild davon, wie dein Arbeitsalltag aussehen sollte, damit du es länger als zwei Jahre durchhältst.

Was die Welt braucht

Das ist der Faden, an dem in meinen Sessions am wenigsten gezogen wird. Die meisten Frauen entwerfen ihr Angebot aus der Innenperspektive: Ich kann X, also biete ich X an. Ob es da draußen Kundinnen gibt, die wirklich X kaufen würden, wird selten überprüft.

Manchmal stelle ich Fragen wie: Wer hat dir zuletzt Geld überwiesen, das nicht von einer Bekannten kam. Was hat diese Person konkret gebucht. Warum hat sie das gebucht und nicht etwas anderes. Bei vielen Antworten merkt man, dass das Angebot eher aus dem Bauch entstanden ist als aus echter Marktbeobachtung.

Wenn du in dieser Phase steckst, lohnt es sich, das Angebot nicht weiter auszufeilen, sondern erst einmal zu prüfen. Sprich mit drei bis fünf Frauen, die zu deiner Zielgruppe gehören. Frag sie konkret, wo sie gerade hängen und was sie schon erfolglos versucht haben. Hör zu, was sie wirklich brauchen, nicht was du glaubst, was sie brauchen sollten. Erst danach entscheidest du, welches Angebot du baust. Vorher arbeitest du an einer Idee von einem Markt, nicht am Markt selbst.

Wofür du bezahlt wirst

Dieser Faden ist statistisch der dünnste. Stundensätze werden nicht durchgerechnet, Pakete aus Bauchgefühl gepreist, Rabatte aus Unsicherheit gegeben.

Als ich 2021 als VA gestartet bin, lag mein Stundensatz bei 35 Euro netto. Das fühlte sich okay an, war wirtschaftlich aber zu wenig. Heute weiß ich: ein realistisches Einstiegsminimum für eine professionelle Virtuelle Assistentin liegt bei 50 Euro netto pro Stunde. Alles darunter ist bei normaler Auslastung nicht kostendeckend, wenn du Krankheitstage, Urlaub, Steuern, Versicherungen und nicht abrechenbare Zeit für Akquise und Buchhaltung ehrlich einrechnest.

Was es zu prüfen gibt, sind eigentlich nur ein paar Zahlen. Wie viele Stunden willst du in einer durchschnittlichen Woche tatsächlich arbeiten. Wie viel davon ist abrechenbar und wie viel geht für Akquise, Buchhaltung und Weiterbildung drauf. Welche Fixkosten musst du jeden Monat decken, privat und geschäftlich. Welcher Stundensatz fällt heraus, wenn du das ehrlich durchrechnest, ohne Wunschdenken. Erst danach hast du eine Zahl, die nicht aus dem Bauch kommt, sondern aus deiner echten Situation.

Wenn ein Faden zu dünn ist

Wenn nur einer der vier Fäden ausgefranst ist, hält das Seil nicht. In meinen Sessions sehe ich verschiedene Varianten, wie sich das anfühlt. Wer nicht weiß, was sie gut kann, läuft der falschen Spezialisierung hinterher und bietet an, was sie zuletzt gelernt hat, statt was schon lange in ihr steckt. Wer nicht klar hat, was sie liebt, brennt sich an Aufträgen aus, die ihr Energie ziehen, und merkt das oft erst nach Monaten. Wer den Markt nicht prüft, baut Angebote an Kundinnen vorbei, die zwar gut aussehen, aber nicht gebucht werden. Und wer den Stundensatz nicht durchgerechnet hat, arbeitet sich kaputt für zu wenig Geld.

Häufig kommen mehrere dieser Punkte gleichzeitig zusammen. Du arbeitest dann nicht an einer einzelnen Stellschraube, sondern an einem ganzen System, das schief steht. Genau deshalb ist es so hilfreich, sich das Seil regelmäßig vorzunehmen und zu prüfen, an welchem Faden gerade am wenigsten gezogen wird.

Wie du herausfindest, welcher Faden bei dir hängt

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass bei einem oder zwei Fäden gerade Stille herrscht, kannst du das natürlich auch alleine sortieren. Das wird dauern, manchmal Monate, manchmal länger.

Schneller geht es, wenn du dir jemanden dazu holst, der schon hundertfach gesehen hat, wie diese vier Fäden zusammenspielen. In der Klarheits-Session nehmen wir uns 90 Minuten Zeit, gehen dein Seil konkret durch und schauen, welcher Faden gerade zu dünn ist. Du gehst nicht mit weiteren Fragen raus, sondern mit konkreten Schritten für die nächsten Wochen.

Wenn du merkst, dass du nicht 90 Minuten brauchst, sondern eine längere Begleitung über mehrere Monate, ist das Intensiv-Mentoring der passende Weg. Drei Monate, in denen wir alle vier Fäden Stück für Stück nachziehen und so umbauen, dass dein Seil wieder trägt.

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Sarah

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